Energieeffizienz im Lebensmittelladen


Zuletzt aktualisiert von Rolf Gloor am 08.09.2011

In einem Lebensmittelgeschäft wird der Stromverbrauch vor allem von den Kälteanlagen dominiert. Je grösser die Verkaufsfläche ist, desto geringer wird der Anteil Kältemöbel und somit sinkt der spezifische Stromverbrauch.

Nebst den Kälteanlagen ist die künstliche Beleuchtung der grosse Stromverbraucher. Die Beleuchtung ist ein wichtiges Element der Produktepräsentation und kann nicht einfach reduziert werden, sondern bedarf einer sorgfältigen lichttechnischen Optimierung.

Lebensmittelladen Ziel Durchschnitt
40% 65% Kälteanlagen
15% 20% Beleuchtung
6% 10% Lüftung
4% 5% Diverse
65% 100% Summe Stromverbrauch
Anteil der Stromverbraucher in einem durchschnittlichen Lebensmittelgeschäft. (Quelle: Schätzung Gloor 2000)

Kennzahlen

VergleichsgrösseDurchschnittZielwertBemerkungen
Stromverbrauch pro m² Verkaufsfläche und Jahr 320 kWh/m²a 140 kWh/m²a bis 100 m² Verkaufsfläche
220 kWh/m²a 100 kWh/m²a ab 100 m² Verkaufsfläche
Heizenergieverbrauch pro m² Verkaufsfläche und Jahr 150 kWh/m²a 40 kWh/m²a Die Werte liegen in Läden unter 400 m² deutlich höher
Spezifischer Stromverbrauch im Lebensmittel Einzelhandel. (Quelle WKO 2003, Zielwerte Schätzung von Gloor 2007)

Energiesparmassnahmen

ProzessMassnahmeBemerkungen
Kälteanlagen

Kompakte Warenstapelung in den Kühlmöbeln, Beachtung der Füllmarken.
Geringe Luftgeschwindigkeit in der Nähe der Möbelöffnungen.
Vermeidung von Strahlungswärmeeintrag (Lichtstrahler, Sonne).
Konsequente Verwendung der Nachtabdeckung für die Kühlmöbel.
Reinigung der Verdampfer und Kondensatoren, Kontrolle der Kühlraumdichtheit, Optimierung der Einstellung.

Einsparmöglichkeiten bis 50% sind möglich.
Lüftungsanlage Die Lüftungsanlagen dienen der Raumkühlung wegen den hohen internen Wärmelasten (Licht, Personen, Geräte) und der Hygiene (Geruchsbeseitigung). Mit einer geschickten Zonenaufteilung lässt sich die Luftmenge optimieren. Im Sommerbetrieb ist eine Nachtauskühlung zu prüfen, im Winterbetrieb gewinnt man mit einem Wärmetauscher etwa 60% Wärme zurück. Ab 4 kW Ventilatorleistung und Laufzeiten von mehr als 1000 Stunden pro Jahr oder wenn die Zuluft oft gekühlt wird ist eine genauere Untersuchung der Lüftungsanlage empfehlenswert.
Abwärmenutzung Von den Kühlanlagen fällt soviel Abwärme an, dass mit einer Abwärmenutzungsanlage Wärme für die Warmwasseraufbereitung und Raumheizung zur Verfügung gestellt werden kann. Je nach Zustand und den Betriebskosten der aktuellen Warmwasseraufbereitung und Heizungsanlage.
Beleuchtung In Verkaufsläden sollte die Grundbeleuchtung mit Leuchtstofflampen ausgerüstet sein. Für die Effektbeleuchtung eignen sich auch Halogen-Metalldampflampen, welche etwa fünfmal effizienter als Halogenlampen sind. In Nebenräumen wie Lager, Aufenthaltsraum und Büro ist die Installation von Bewegungsmelder zu prüfen. Bei Sanierungen und hohen Betriebsstunden sind Investitionen in eine energieeffiziente Beleuchtung (Elektronische Vorschaltgeräte, automatische Tageslichtanpassung usw.) meistens rentabel.
Warmwasser Eine Warmwassertemperatur von 55 °C ist ausreichend. Warmwasser wird vor allem für die Reinigung benötigt und kann dadurch mit einer Schaltuhr (zum Beispiel an Feiertagen keine Ladung) termingerecht bereitgestellt werden. Bei grossem Warmwasserbedarf ist eine Vorwärmung des Warmwassers mit der Abwärme der Kälteanlagen sinnvoll.
Apparate Überwachungskameras, Monitore, Kopierautomaten, Ausstellungsgeräte, USV's, Scanner und Kassen sind ausserhalb der Betriebszeit abzuschalten. Das Ein- und Ausschalten erfolgt über einen Hauptschalter (Licht) oder über Schaltuhren.
Raumtemperatur Die Raumtemperatur ist auf maximal 20 °C einzustellen, ausserhalb der Öffnungszeiten sollte die Temperatur tiefer liegen um den Kälteverlust der Kühlmöbel zu reduzieren. Eine um 1 Grad tiefere Raumtemperatur spart rund 6% Heizenergie und etwa 5% Kältemöbelleistung.

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