Energieeffizienz in der Schreinerei


Zuletzt aktualisiert von Rolf Gloor am 08.09.2011

In den meisten holzverarbeitenden Betrieben ist vor allem der Stromverbrauch von Interesse, da die Heizung mit Produktionsabfällen betrieben wird. Es fällt auf, dass die Infrastrukturanlagen (Späneabsaugung, Heizung, Druckluft) viel mehr Elektrizität brauchen als die Holzbearbeitungsmaschinen mit den grossen Motoren.
Schreinerei Ziel Durchschnitt
20% 40% Absauganlagen
20% 25% Produktionsmaschinen
10% 15% Diverse
5% 10% Heizungsinfrastruktur
3% 5% Druckluft
4% 5% Beleuchtung
62% 100% Summe Stromverbrauch
Aufteilung des Stromverbrauchs einer Schreinerei mit 10 Mitarbeiter.
(Quelle: Analyse von 20 Betrieben, Gloor, 1997)

Kennzahlen

VergleichsgrösseDurchschnittZielwert
Stromverbrauch pro m² Betriebsfläche 100 kWh/a 50 kWh/a
Stromverbrauch pro Mitarbeiter 6000 kWh/Ma 3000 kWh/Ma
Anteil Stromkosten am Umsatz 1,0% 0,5%
Spezifischer Stromverbrauchs einer Schreinerei.
(Quelle: Analyse von 20 Betrieben, Gloor, 1997)

Energiesparmassnahmen

ProzessMassnahmeBemerkungen
Laufzeit reduzieren Auch bei kurzen Pausen sollten Anlagen abgestellt werden. Als Faustregel lohnt sich das Abschalten energetisch, wenn die Pause fünfmal länger dauert, als das Hochfahren. Zum Beispiel sparen täglich 10 Minuten weniger Leerlauf mit 10 kW Leistung etwa 400 kWh (100 Franken) Strom im Jahr.
Absauganlage Durch die Anpassung der notwendigen Luftmenge an den aktuellen Bedarf lassen sich 40 bis 70% Strom einsparen. Energieeffiziente Neuanlagen sind nicht viel teurer als übliche Standardanlagen. Anlagen ab 7,5 kW Ventilatorleistung und Laufzeiten von mehr als 500 Stunden pro Jahr und sind genauer zu untersuchen.
Heizungsanlage Den Strombedarf für die Hilfsbetriebe der Heizung lässt sich oft aus dem Niedertarifstromverbrauch ermitteln. Die Anlagenteile sollten nur laufen, wenn Wärme benötigt wird. Eine 1 kW Umwälzpumpe kostet keine 1000 Franken und verbraucht rund 9000 kWh (1800 Franken) Strom pro Jahr.
Druckluftanlage Für die meisten Druckluftverbraucher reicht ein Netzdruck von 6 bar Überdruck. Vor allem in grösseren Anlagen stecken rentable Energiesparmöglichkeiten. Ab einer Kompressorleistung von 5,5 kW lohnt sich meistens eine Optimierung.
Maschinen Eine gute Holzbearbeitungsmaschine hat eine geringe Leistungsaufnahme im Leerlauf, benötigt nur wenig Absaugleistung und keine weitere Infrastruktur wie Druckluft. Zu Prüfen bei Anschaffungen von grösseren Maschinen mit Betriebszeiten von über 200 Stunden pro Jahr.
Lackieranlage Die Luftanlage müsste nur laufen, wenn lackiert wird. Bei längerem Betrieb in der kalten Jahreszeit kann mit einer Abwärmenutzung Heizenergie eingespart werden. Anlagen ab 3 kW Ventilatorleistung und 400 Stunden Laufzeit pro Jahr sind genauer zu untersuchen.
Beleuchtung Der unfallgefährliche Stroboskopeffekt durch Fluoreszenzlampen auf rotierenden Maschinen kann durch eine dreiphasige Verteilung oder elektronische Vorschaltgeräte vermieden werden. Ein heller Deckenanstrich verbessert die Beleuchtungsverhältnisse.
Ausstellung In den Ausstellungsräumen kann mit Fluoreszenzlampen eine energieeffiziente Hintergrundbeleuchtung geschaffen werden. Spotlampen (es gibt auch Entladungslampen) auf Objekte können attraktiv über Bewegungsmelder gesteuert werden. Eine gute Beleuchtung ist verkaufsfördernd. Wenn Kunden anwesend sind, sollte nicht mit Licht gespart werden.
Blindstrom Wenn die Blindstromkosten 700 Franken pro Jahr übersteigen, lohnt sich oft die Anschaffung einer Blindstromkompensationsanlage. Schon ab 300 Franken Blindstromkosten kann eine Einzelkompensation in Frage kommen.
Leistungsspitze Eine automatische Lastoptimierung bei den Produktionsmaschinen ist selten möglich. Eine Lastganganalyse schafft meistens Klarheit. Möglichkeiten für die Automatisierung gibt es beim Hacker und elektrischen Heizgeräten wie bei der Furnierpresse. Eine gegenseitige Verriegelung von Verbrauchern mit grosser Leistung zum Beispiel mit Schlüsselschalter kann schon viel bringen.
Gebäude Obwohl meistens ausreichend Wärme aus dem Abfallholz zur Verfügung steht, könnte eine Verbesserung der Gebäudeisolation (u-Wert und undichte Fugen) zur Komfortverbesserung führen. Darüber hinaus würde Wärme frei für ein Nahwärmenetz. Bei zu knapp bemessener Heizungsanlage oder zu wenig Abfallholz kann sich eine energische Gebäudesanierung lohnen.
Fahrzeugpark Viele Betriebe kommen auf ein Fahrleistung von über 30'000 km pro Jahr (etwa 40'000 kWh). Mit verbrauchsgünstigen Fahrzeugen und einem Fahrkurs für die Fahrer lässt sich auch dieser Energieverbrauch reduzieren. Energieeffiziente Autos sind auch günstiger bei der Anschaffung und im Unterhalt.

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