Energieeffizienz in der Viehwirtschaft


Zuletzt aktualisiert von Rolf Gloor am 08.09.2011

Artikel Introbild
In Landwirtschaftsbetrieben mit Nutztieren entfällt der grosse Anteil des Stromverbrauchs auf die Heubelüftung (Rindtiere, Schafe, Ziegen) oder die Stallbelüftung (Schweine).

Durch die Wärmeabgabe der Tiere (etwa 200 W pro 100 kg Körpergewicht) ist keine Raumheizung notwendig. Den grossen Energieverbrauch in der Landwirtschaft verursachen die mit fossilen Treibstoffen betriebenen Fahrzeuge (Traktor, Mähmaschinen, Ladewagen, Mistverteiler usw.).

Viehwirtschaft Ziel Durchschnitt
40% 65% Belüftung
10% 15% Warmwasser
9% 10% Maschinen
4% 5% Beleuchtung
4% 5% Strahler
67% 100% Summe Stromverbrauch
Aufteilung des Stromverbrauchs eines durchschnittlichen Viehwirtschaftsbetriebes ohne Haushaltsstromanteil.
(Quelle: 2 Grobanalysen Gloor 1996)

Kennzahlen

VergleichsgrösseDurchschnittZielwert
Stromverbrauch pro Grossvieheinheit und Jahr 600 kWh/GVEa 300 kWh/GVEa
Der spezifische Energieverbrauch hängt von den Anzahl Tieren ab.
(Quelle: Grobauswertung von 6 Betrieben von Gloor 2006)

Energiesparmassnahmen

ProzessMassnahmeBemerkungen
Heubelüftung Mit der strömungstechnisch optimalen Anordnung der Roste unter dem Heustock wird die Trocknungseffizienz verbessert und die Lüftungsdauer reduziert. Spart bis 15% an Elektrizität und kann im Sommer durch den Betreiber selber ausgeführt werden.
Steuerung für die
Heubelüftung
Eine energieeffiziente Heulüftung läuft nur, wenn die Ansaugluft trockner als das Heu ist. Je nach Situation wird auf Intervallbetrieb umgeschaltet, die teureren Steuerungen verhindern sogar eine Übertrocknung. Bei Preisen für die installierte Steuerung von 2000 bis 5000 Franken sind Energieeinsparungen bis 35% möglich
Heubelüftung mit
Sonnenkollektoren
Wenn das Heu mit warmer Luft belüftet wird, verbessert sich die Heuqualität und die Lüftungsdauer reduziert sich. Die Ansaugluft wird dafür in Holzkanälen unter dem von der Sonne erwärmten Dach durchgeleitet. Die notwendigen Luftkanäle können im Selbstbau erstellt werden. Die Payback-Zeit für das Material liegt bei über 5 Jahren.
Stallbelüftung Mit einer geregelten Lüftungsanlage (Intervallschaltung oder besser Frequenzumrichter) lässt sich die Frischluft energieeffizient dem jeweiligen Bedarf (CO2-Gehalt, Temperatur) anpassen. Anlagen ab 4 kW Ventilatorleistung und Laufzeiten von mehr als 1000 Stunden pro Jahr sind genauer zu untersuchen.
Abwärmenutzung In einem Stall mit 20 Kühen fallen etwa 10 kW innere Wärme an. Mit einer Luft-Wärmepumpe kann ein Teil dieser Abwärme für die Warmwasseraufbereitung und das Wohnhaus genutzt werden. Besondere Beachtung ist dabei der Korrosionsbeständig (Ammoniak) des Wärmetauschers zu schenken. Eine weitere Abwärmequelle steckt im Milchtank. Die Rentabilität hängt vom jeweiligen Angebot und Bedarf der Energie, der Isolation und Lüftung des Stalls sowie vom vorhandenen Heizsystem und den Heizkosten ab.
Warmwasser Für die Hygiene und zur Einsparung von Reinigungsmitteln reicht eine maximale Warmwassertemperatur von 65 °C. Hohe Temperaturen kosten Energie und begünstigen Kalkablagerungen.
Trinkwassererwärmung In einigen Betreiben gibt es Durchlauferhitzer (von 5 auf 15 °C) für das Trinkwasser der Tiere. Mit einem grossen Wärmetauscher an der Stallwand kann dieser ersetzt werden. Beim Selbstbau, zum Beispiel mit einem Heizungsradiator, fallen nur geringe Kosten an.
Heizstrahler Zur Warmhaltung von Jungtieren werden oft Infrarotlampen eingesetzt. Mit einem Dimmer lässt sich die Leistung anpassen. Durch eine Holzverschalung der umgebenden kalten Mauern wird weniger Heizleistung benötigt. Beim Selbstbau der Wärmedämmung fallen nur geringe Kosten an.
Beleuchtung Mit Bewegungsmelder kann das Ein- und Ausschalten des Lichts automatisiert werden. Einsparung von Energie und Zeit.
Leistungsspitze Auf Bauernhöfen laufen Betrieb und Haushalt oft über einen Stromzähler. Bei einer Verrechnung der Spitzenleistung kann diese durch den gestaffelten Betrieb der grossen Verbraucher (Gebläse, Kochen, Waschen usw.) oft erheblich reduziert werden. Mit einer geschickten Verriegelung der Anlagen kann auf ein Lastoptimierungsgerät verzichtet werden.
Maschinenwartung Ersatz von verbrauchten Keilriemen, Reinigung der Kühlrippen, Überprüfung der Einstellungen (Bypassventil bei der Melkmaschine),Ölwechsel und Schmierung bei Krananlagen und Pumpen. Erhöhung der Funktionstüchtigkeit, Verlängerung der Nutzungsdauer und Einsparung von Energie.
Biogas Bei Betrieben mit einer grossen Anfall von Biomasse wie Gülle oder Schotten kann durch eine Biogasanlage Wärme und über ein Blockheizkraftwerk auch Elektrizität gewonnen werden. Solche Anlagen erfordern einen engagierten Betreiber.

 


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