Graue Energie ist der Energieaufwand welcher für die Herstellung von Gütern und Bereitstellung von Dienstleistungen aufgewendet wird. Je nach Berechnungsmethode ist auch die Energie für die Entsorgung mit eingerechnet. Wie hoch der Energieaufwand für ein Gut oder ein Dienst ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab  und unterliegt einer grossen Streuung.

Der allgemeine Durchschnittswert beträgt 1 kWh/CHF (Eine Kilowattstunde pro Franken) Konsum. Der reale Wert kann 10 mal höher oder 10 mal tiefer liegen.

Beispiele: Die graue Energie eines Einfamilienhauses beträgt 200'000 kWh, die eines Autos 30'000 kWh, die eines Notebooks 1000 kWh, die eines Smartphones 220 kWh. Für Baustoffe gibt es von KBOB unten stehende Werte.

Vergleich der grauen Energie von Baustoffen (Quelle KBOB).

Wenn man diese Zahlen auf das Volumen umrechnet, ergeben sich unten stehende Werte:

Vergleich der grauen Energie von Baustoffen (Hochrechnung aus Quelle KBOB).

Das sind aber nur grobe Richtwerte. Es gibt zahlreiche Institute, die solche Berechnungen durchführen und unterschiedliche Resultate erhalten. Es gibt verschiedene Hersteller welche unterschiedliche Energieträgern verwenden. Zusätzlich steckt in den Produktionsanlagen und Energieträgern auch graue Energie.

Bei Energiesparmassnahmen muss darauf geachtet werden, dass der Einsatz von Grauer Energie nicht höher als die Energieeinsparung über die Nutzungszeit ist. Beispiel: Bei der Wärmedämmung eines Gebäudes liegt der Grenzwert etwa bei 30 cm Dämmstärke. Je nach Fall (Umgebungstemperatur, Raumtemperatur, Lebensdauer, Wärmeerzeugung, Dämmstoff, Montageaufwand) kann die optimale Dämmstärke aber auch grösser oder kleiner sein.

Beispiel für 1 Kubikmeter Bauholz

  1. Holzschlag: Tagesleistung von 4 Forstmitarbeiter etwa 50 Festmeter (1 Festmeter = 1 Kubikmeter Holz) mit 50 Liter Treibstoff (etwa 500 kWh und 135 kg CO2) ergibt pro Festmeter rund 10 kWh und 3 kg CO2.
    Holzschlag mechanisiert (Vollernter): 100 Festmeter pro Tag und Person, Energieaufwand etwa das Doppelte inklusive Anteil Graue Energie für die Maschine.
    Annahme: Mittelwert pro Festmeter: 15 kWh Energie und 4 kg CO2.
  2. Alteratives Rücken (Transport von Schlag zum Verladeplatz) mit Helikopter: 3 Minuten für 3 Festmeter. Kerosinverbrauch 300 Liter pro Stunde ergibt 5 Liter pro Minute und somit pro Festmeter 50 kWh und 13 kg CO2.
  3. Transport zur Sägerei über 50 km: 25 Festmeter mit 35 Liter Treibstoff (2 mal 50 km) ergibt pro Kubikmeter rund 15 kWh und 4 kg CO2.
  4. Sägerei mit Trocknung auf 12 % Restfeuchte: Die Wärme für die Holztrocknung kommt in der Regel von einer Holzfeuerung, welches CO2-neutral ist. Der Durchschnittswert für den Stromverbrauch von Sägereien liegt bei 25 kWh pro Festmeter. Je nach Strommix mit mehr oder weniger CO2. Annahme für die Schweiz etwa 2 kg CO2 für 25 kWh Elektrizität.
    Zusätzlich sind in Sägereien noch Hubfahrzeuge in Betrieb, welche etwa 0.5 Liter Treibstoff pro Festmeter konsumieren, was 5 kWh Energie und 1 kg CO2 entspricht.
  5. Zwischensumme für Rundholz ohne Helikopter: 60 kWh und 11 kg CO2.
  6. Verschnitt etwa 40%. Ergibt pro Kubikmeter Schnittholz 100 kWh und 18 kg CO2. Bei diesem Berechnungsschritt ist zu beachten, dass der Verschnitt meistens als Energieholz weiter verwendet wird. Einen Teil der Grauen Energie für das Bauholz könnte man also hier abziehen und dem Energieholz zuschlagen.
  7. Transport zur Zimmerei, zum Baumarkt usw. und dann Transport zur Baustelle: Annahme pro Kubikmeter 30 kWh und 8 kg CO2.

Zusammenfassung: Die Bereitstellung von 1 Kubikmeter Bauholz verursacht 130 kWh Energie und 26 kg CO2. Das ist deutlich weniger, als in der Tabelle mit 340 kWh Energie und 50 kg CO2. Mit diesem Beispiel soll gezeigt werden, dass die angegebene Menge Grauer Energie eines Produktes nur eine Grössenordnung ist und nicht ein exakter Wert. Zusätzlich sieht man, dass ein wesentlicher Anteil der Grauen Energie vom Transport abhängt.